Was die Luftwärmepumpe im Winter nicht kann – und warum man damit in vielen Regionen nicht heizen sollte

Luftwärmepumpen werden oft als „Wunderlösung“ verkauft: günstig, effizient, klimafreundlich. Die Realität sieht – je nach Region – deutlich nüchterner aus. Vor allem im Alpenraum, im Salzburger Land und generell in kälteren Tälern zeigt sich jedes Jahr aufs Neue:

Eine Luftwärmepumpe kann im tiefen Winter nicht das leisten, was viele Hersteller versprechen.

Und genau das erkläre ich hier technisch sauber und ohne Marketing‑Schönfärberei.

Die Physik ist gnadenlos: Je kälter die Luft, desto schlechter die Leistungszahl (COP).

Eine Luftwärmepumpe lebt von der Außentemperatur. Sinkt diese, sinkt die Effizienz überproportional.

Typische COP‑Werte einer Luftwärmepumpe:

AußentemperaturCOP HeizenCOP Warmwasser
+10 °C3,5–4,53,0–3,5
+5 °C3,0–3,52,5–3,0
0 °C2,0–2,52,3–2,8
–5 °C1,5–2,02,0–2,3
–10 °C1,2–1,61,7–2,0

Heizen unter 0 °C ist energetisch extrem teuer. Die Wärmepumpe wird zum Stromfresser, weil sie kaum noch Wärme aus der Luft ziehen kann.

Regionale Realität: Im Alpenraum ist Winter nicht gleich Winter.

In Prospekten wird oft mit „Normtemperaturen“ gerechnet, die in vielen Regionen nichts mit der Realität zu tun haben.

Beispiele:

  • Bischofshofen: regelmäßig –5 bis –15 °C
  • Pongau / Pinzgau: lange Kälteperioden
  • Täler: Inversionswetter, kaum Tageserwärmung
  • Hohe Luftfeuchtigkeit → Vereisung → Abtauzyklen → noch schlechtere Effizienz

Eine Luftwärmepumpe, die bei +7 °C noch gut funktioniert, bricht bei –10 °C komplett ein.

Abtauzyklen: Der unsichtbare Effizienz-Killer

Bei Frost vereist der Verdampfer. Die Wärmepumpe muss sich regelmäßig selbst abtauen – und das kostet Energie.

Das bedeutet:

  • weniger Heizleistung
  • höherer Stromverbrauch
  • schlechtere JAZ
  • längere Laufzeiten
  • mehr Verschleiß

Im tiefen Winter kann die Wärmepumpe stundenlang mehr Energie verbrauchen, als sie liefert.

Warum Heizen im Winter damit oft nicht sinnvoll ist

Ganz einfach:

  • Hohe Stromkosten
  • Geringe Heizleistung
  • Hohe Lastspitzen
  • Schlechter Komfort
  • Gefahr, dass das Haus auskühlt
  • Zusatzheizstab springt an → Stromkosten explodieren

Viele Haushalte merken das erst, wenn die Jahresabrechnung kommt.

Warmwasser hingegen funktioniert fast das ganze Jahr – und das sogar gut.

Jetzt kommt der wichtige Unterschied:

Warmwasserbereitung ist mit einer Luftwärmepumpe fast das ganze Jahr sinnvoll.

Warum?

  • Warmwasser braucht 45–55 °C, nicht 60–70 °C wie Heizsysteme.
  • Der Temperaturhub ist kleiner → bessere COP.
  • Tagsüber liegen die Temperaturen selbst im Winter oft über 0 °C.
  • In vielen Regionen sogar +3 bis +10 °C → perfekte Bedingungen.
  • Warmwasserverbrauch ist konstant, nicht wie Heizlast im Winter.

Damit erreicht man ganzjährig COP 2,5–3,5, was absolut wirtschaftlich ist.

Untertags fast immer über dem Gefrierpunkt – das rettet die Effizienz.

Selbst in kalten Regionen gilt:

  • Nachts: –10 °C → Wärmepumpe ineffizient
  • Tagsüber: +2 bis +8 °C → Wärmepumpe effizient

Wer Warmwasser tagsüber macht (z. B. mit PV‑Überschuss), hat:

  • niedrige Kosten
  • gute Leistungszahlen
  • kaum Verschleiß
  • stabile Warmwasserversorgung

Fazit: Heizen im Winter? Nein. Warmwasser? Ja.

Eine Luftwärmepumpe ist kein Alleskönner. Sie ist regionabhängig, temperaturabhängig und physikalisch limitiert.

Heizen im Winter (unter 0 °C):

  • schlechte COP
  • hohe Stromkosten
  • Abtauverluste
  • Zusatzheizstab
  • ineffizient und teuer

Warmwasserbereitung:

  • ganzjährig sinnvoll
  • tagsüber gute COP
  • ideal mit PV
  • stabil und wirtschaftlich
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